Latein

Die lateinische Sprache hatte die Funktion der lingua franca zur Zeit des die Geschichte Europas bis in die Gegenwart prägenden römischen Weltreiches und in der europäischen Geisteswelt bis zum Beginn der Neuzeit inne. Das frühe europäische Selbstverständnis ist in lateinischen Quellen niedergelegt. Daher bieten der Erwerb der lateinischen Sprache und die Auseinandersetzung mit lateinischen Originaltexten in ihrem jeweiligen kulturellen Kontext eine wesentliche Ergänzung zum muttersprachlichen Unterricht und zu den modernen Fremdsprachen.

Während die modernen Fremdsprachen vornehmlich darauf ausgerichtet sind, die Sprachverwendung der Zielkultur in der Gegenwart zu erschließen, eröffnet das Lateinische einen Zugang zur Vergangenheit, der griechisch-römischen Antike und den folgenden Epochen. Die griechisch-römische Antike stellt Ursprung und gemeinsame Wurzel des zunehmend zusammenwachsenden modernen Europas dar und prägt seine Werte zusammen mit dem jüdisch-christlichen Gedankengut von der Antike bis heute maßgeblich. Daraus ergibt sich ein Anknüpfungspunkt für die modernen Fremdsprachen bezüglich der Wirkungsgeschichte antiker Wertvorstellungen und politischer Ideen. Somit kommt dem Lateinunterricht gerade in der heutigenZeit eine aktuelle Bedeutung zu.

Latein kann an der Humboldtschule bei entsprechendem Bedarf auch als Leistungskurs gewählt werden.

  • Gründe für Latein

    Latein ist keineswegs eine "tote Sprache". Wer Latein lernt, wird in vielen Bereichen seines Lebens davon profitieren. Hier nur die wichtigsten Gründe in Stichworten:

    • Viele Fremdwörter entstammen dem Lateinischen.
    • Die Grammatik anderer Sprachen wird verständlicher.
    • Moderne romanische Fremdsprachen sind erheblich leichter erlernbar.
    • Lateinunterricht schärft das strukturelle Denken.
    • Latein hat einen hohen allgemeinbildenden Wert.
    • Das Latinum ist für viele Studienabschlüsse verpflichtend.

    Während der Schulzeit...
    bietet das Fach Latein vor allem den Vorteil, dass Bezüge zu vielen anderen Unterrichtsfächern hergestellt werden können:

    • Im Unterschied zu den modernen Fremdsprachen lernt man im Lateinunterricht nicht, die Sprache selbst zu sprechen, sondern man übersetzt lateinische Texte ins Deutsche. Das bedeutet, dass man die Struktur und Grammatik der Sprache sehr genau betrachtet. Das hilft den Schülern dann sicher im Deutschunterricht und im Unterricht moderner Fremdsprachen, zumal die ganzen Fachbegriffe, die man dort verwendet, aus dem Lateinischen stammen. Darüber hinaus gibt es natürlich auch viele inhaltliche Beziehungen zwischen Deutschunterricht und griechisch-römischer Antike. Man denke nur an Homers Epen oder die griechischen Tragödien, die im Lateinunterricht ständig vorkommen.
    • Mit dem Fach Geschichte sind die Überschneidungen besonders deutlich. Dies gilt selbstverständlich vor allem für die Antike, aber auch das Mittelalter und die Neuzeit sind ohne Latein nicht denkbar.
    • Ähnliches gilt für die Religion, die Philosophie, die Musik und die Kunst. Immer wieder tauchen Inhalte aus der Antike auf, die man im Lateinunterricht von den Grundlagen her kennenlernt.
    • Selbst zu den Naturwissenschaften und zur Mathematik lassen sich Bezüge herstellen. So lernt man im Lateinunterricht viel über das Leben von Menschen, deren Erkenntnisse für die Physik oder die Mathematik bedeutsam sind (Archimedes, Thales, Pythagoras u.a.).

    Nach der Schulzeit...
    kann es besonders aus zwei Gründen wichtig sein, Latein gelernt zu haben:

    • Wer Romanistik, Theologie, Geschichte oder Archäologie studieren will, muss das Latinum zwar nicht mitbringen, aber zum Examen vorweisen. Man kann es nachmachen, aber das kostet viel Zeit und Mühe. Wer es also schon von der Schule mitbringt, hat den Vorteil, sofort mit seinem Fach starten zu können.
    • Unsere westeuropäische Kultur basiert auf der griechisch-römischen Antike. Ob man in Museen geht, eine Oper besucht oder im Mittelmeerraum Urlaub macht: Immer wieder stößt man auf Spuren der Antike. Diese Spuren dann einordnen, von ihnen aus weiterdenken und Bezüge herstellen zu können, sei es zur Geschichte oder zur Gegenwart, macht sehr viel Spaß und hält zugleich unserer heutigen Welt einen Spiegel vor.
  • Latinum

    Es ist einfacher, das Latinum, das für viele Studienabschlüsse verpflichtend ist, in der Schule zu erwerben, als später an der Universität in lernintensiven Kursen nachholen zu müssen. Der Grund dafür liegt darin, dass man das Latinum während der Schulzeit mit der Note „ausreichend“ in folgenden Fällen automatisch erhält (vgl. OAVO §50 Abs. 1-4):

    Latein als 2. Fremdsprache (Klasse 6)

    Wählt man Latein als 2. Fremdsprache, so erhält man das Latinum nach der Einführungsphase (G8: 10. Klasse, G9: 11. Klasse) automatisch mit Erreichen der Note „ausreichend“ (05 Punkte) oder besser.

    Latein als 3. Fremdsprache (Klasse 8)

    Wählt man Latein als 3. Fremdsprache, so erhält man das Latinum nach der Q4 (G8: 12. Klasse, G9: 13. Klasse) automatisch mit Erreichen der Note „ausreichend“ (05 Punkte) oder besser.

    Sonderfall Auslandsaufenthalt

    Hat man Latein ab der 6. Klasse belegt und geht in der E-Phase (G8: 10. Klasse, G9: 11. Klasse) ins Ausland, so gibt es zwei Möglichkeiten, das Latinum zu erwerben:

    1. Man belegt Latein in der Q1 (G8: 11. Klasse, G9: 12. Klasse) als Grundkurs: Schließt man diesen Kurs mit der Note „ausreichend“ (05 Punkte) ab, so erhält man automatisch das Latinum.

    2. Vorgezogene Prüfung: Es besteht auch die Möglichkeit, am Ende des letzten Mittelstufenjahrganges (G8: 9. Klasse, G9: 10. Klasse) das Latinum in einer schriftlichen Prüfung zu erwerben. Diese Prüfung ist nicht einfach, da man in ihr zeigen muss, dass man auch den Stoff des Lateinunterrichts der Einführungsphase (10. bzw. 11. Schuljahr) beherrscht. Wer dennoch diese Prüfung ablegen möchte, sollte zu Beginn des 9. bzw. 10. Schuljahres seinen Lateinlehrer ansprechen. Dieser berät individuell, was für die Prüfung zu tun ist und wann sie stattfinden wird.

    Sollten Sie Fragen zum Erwerb des Latinums haben, sprechen Sie das Team der Lateinlehrer an der Humboldtschule gern jederzeit an!

  • Exkursionen und Fahrten

    Vom Fachbereich Latein werden verschiedene Exkursionen angeboten, um den Schülerinnen und Schülern die Welt der Antike näherzubringen. Wie unten unter Projekte > "Limes-Projekt" beschrieben, fahren wir mit unseren Klassen zur Saalburg. Aber es werden auch kleinere Exkursionen in Bad Homburg selbst organisiert: Das Bild zeigt einen Besuch im Kurpark bei den „Blickachsen“. Dort wird mit der Statue „Der Apoll“ (1989) von Markus Lüpertz die Mythologie um den Gott der griechisch-römischen Antike lebendig.

    Ein beliebtes Ziel unserer Kurse ist auch das Liebieghaus in Frankfurt.

    Rom-Fahrten

    Daneben finden speziell für die Oberstufe in regelmäßigen Abständen auch Studienfahrten nach Rom statt. Dort geht es neben Geschichte, Kunst und Architektur natürlich auch um das UNESCO-Welterbe von der Antike bis zur Neuzeit. Es versteht sich von selbst, dass das „dolce vita“ Italiens ebenfalls wichtiger Bestandteil dieser Fahrten ist!

Projekte

Die Fachschaft Latein führt in Kooperation mit der Deutschen Stiftung Denkmalschutz regelmäßig besondere Projekte durch:

  • Limes-Projekt

    Als UNESCO-Projektschule führen wir im Rahmen der UNESCO-Welterbeerziehung jedes Jahr in Zusammenarbeit mit dem Fachbereich Geschichte und dem UNESCO-Forum  im Jahrgang 6 oder 7  in Latein ein „Limes-Projekt“ durch.

    Die Schülerinnen und Schüler bearbeiten das Thema „Römisches Welterbe in Hessen“ und fahren am UNESCO-Projekttag zu Saalburg und Limes. Dort lassen sie das Leben der Römer bei Bogenschießen, Rallye und Rollenspiel lebendig werden.

    Im Schuljahr 2011/2012 hat die Humboldtschule - unterstützt von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz und ihrem Schulprogramm „denkmal aktiv“ - im Verbund mit anderen UNESCO-Projektschulen ein längerfristiges „Limes-Projekt“ fächerübergreifend durchgeführt. Für das gesamte „Limes-Projekt“ erhielt die Humboldtschule eine besondere Auszeichnung: Ihr wurde dafür im August 2012 der „Förderpreis zum Saalburgpreis“ verliehen.

  • Wasser-Projekt

    Zum ersten Mal wurde das Wasserprojekt im Schuljahr 2013/14 mit Unterstützung der Deutschen Stiftung Denkmalschutz und ihrem Schulprogramm „denkmal aktiv – Kulturerbe macht Schule“ durchgeführt. In der Humboldtschule wurde fächerübergreifend in den Fachbereichen Erdkunde, Kunst, Latein und in der UNESCO-AG der Mittelstufe zum Thema  „Wasser“ gearbeitet. Dieses Thema ist ein zentraler Punkt des UNESCO Bildungskonzepts BNE – „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ – und somit im Schulprogramm der Humboldtschule verankert.

    Lateinschüler auf den Spuren der Antike im Kurpark...

    ...und auf der Suche nach Römerfunden im Archiv.

    Bei der Projektarbeit hat ein Lateinkurs, der über das Thema „Auf den Spuren der Antike im Homburger Kurpark“ recherchierte, herausgefunden, dass im Brunnenbereich des Parks im 19. Jahrhundert viele Funde der Römer, die die Quellen genutzt hatten, gemacht wurden. Durch Unterstützung des Städtischen Historischen Museums Bad Homburg, das Stadtarchiv Bad Homburg und das Saalburgmuseum konnten die Schülerinnen und Schüler viele Römerfunde aus dem Kurpark anschauen und fotografieren. Hervorzuheben ist, dass der Lateinkurs durch seine Projektarbeit beteiligt war an der Wiederentdeckung einer römischen Schüssel aus terra sigillata, die 1856 bei Ausgrabungen im Schacht des Kaiserbrunnens im Kurpark gefunden worden war.

    Das Wasserprojekt kann in Latein von Lerngruppen des Jahrgangs 8 durchgeführt werden.

  • Projekt Nachhaltiger Tourismus

    Als UNESCO-Projektschule orientiert sich die Humboldtschule Bad Homburg in ihrer Arbeit an Leitlinien der UNESCO wie der „Welterbeerziehung“ und der „Bildung für nachhaltige Entwicklung“. Aus diesem Grund hat die Humboldtschule im Schuljahr 2016/17 im Verbund mit der BBS Wittmund an „denkmal aktiv – Kulturerbe macht Schule“, dem Schulprogramm der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, teilgenommen und ein breit angelegtes Projekt zum Thema „Nachhaltiger Tourismus im UNESCO-Weltkultur- und Weltnaturerbe“ durchgeführt. Das Projekt war ein Beitrag im Themenfeld „Nachhaltiger Tourismus im UNESCO-Welterbe“ der Deutschen UNESCO-Kommission e.V.

    In der Beschreibung des Themenfeldes heißt es unter anderem: „Die Umsetzung eines nachhaltigen Tourismus im Welterbe – sei es an Kultur- oder Naturerbestätten -, bildet einen der inhaltlichen Schwerpunkte des UNESCO-Welterbeprogramms. Ein ungelenkter und ausufernder Tourismus hat oft negative Auswirkungen auf die natürliche Umwelt und auf die von ihr lebenden Gemeinschaften sowie auf die Welterbestätten selbst. Tourismus kann also zu einem erheblichen Belastungsfaktor werden […]. Um dies zu vermeiden, ist eine behutsame, natur- und denkmalverträgliche Gestaltung des Tourismus erforderlich.“ (Auszug aus: „denkmal aktiv“-Ausschreibung 2016/17, Themenfeld der Deutschen UNESO-Kommission)

    Um zu untersuchen, wie Tourismus sich in verschiedenen UNESCO-Welterbestätten gestaltet, haben in der Humboldtschule über 170 Schüler fächerübergreifend in verschiedenen Lerngruppen in Erdkunde, Französisch, Geschichte, Latein, Politik und Wirtschaft und in der UNESCO-AG der Unterstufe zu diesem Thema Recherchen angestellt. Dabei wurden verschiedene Welterbestätten untersucht: Ausgangspunkt war die Kurstadt Bad Homburg und deren Bewerbung um Anerkennung als Weltkulturerbe, darauf folgten die Kathedrale von Chartres, die Kulturlandschaft Oberes Mittelrheintal, der Obergermanisch-Raetische Limes, der Nationalpark Serengeti, die Altstadt von Straßburg, Le Havre, die mittelalterliche Handelsstadt Provins, Paris mit Schloss und Park von Versailles, das Weltnaturerbe Wattenmeer, u.v.m.

    Im Fachbereich Latein wurde der nachhaltige Tourismus am Limes kritisch unter die Lupe genommen. Bei Recherchen in Literatur und Internet, durch Interviews mit Familie, Freunden und Herrn Rüdiger Schwarz, Archäologe und Museumspädagoge im Römerkastell Saalburg, gingen die Schüler diesem Thema auf den Grund. Die Lateinschüler fanden dabei vieles heraus: Der Limes wird durch die Zusammenarbeit vieler Gremien – zum Beispiel im Bereich Denkmalpflege - institutionell geschützt und den Touristen so anschaulich präsentiert, dass diese motiviert werden, ihn dauerhaft zu erhalten. Dennoch konnten die Schüler Empfehlungen für einen noch nachhaltigeren Tourismus am Limes im Bereich Bad Homburg/Saalburg geben: Um diesen zu gewährleisten, müssten mehr Busse zur Saalburg fahren – die meisten Saalburgbesucher nehmen wegen der selten fahrenden Busse das Auto. Auch Mülltrennung müsste durchgeführt werden – die Stadt Bad Homburg schickt wöchentlich nur einen Müllwagen zur Saalburg, in dem der gesamte Müll ungetrennt abtransportiert wird.

    Höhepunkte des Projekts bildeten verschiedene Exkursionen der einzelnen Projektgruppen und die Ausstellungseröffnung am 11.6.17, in der die Ergebnisse der Schülerinnen und Schüler der Humboldtschule gemeinsam präsentiert wurden.