Verlegung der Stolpersteine in Bad Homburg

Datum: 23.10.2018
Zeit: 12:00

An der diesjährigen Verlegung der Stolpersteine am 22. Oktober 2018 war die Humboldtschule in mehrfacher Weise beteiligt. Der Humboldtchor "The CHORds" umrahmte mit seinem Auftritt den Auftakt zur diesjährigen Verlegung der Stolpersteine, bei dem u.a. der Stadtverordnetenvorsteher Dr. Alfred Etzrodt und Rabbiner Andrew Steiman sprachen. Mit den beiden stimmungsvollen Liedern "El haderech" und "Hevenu shalom alechem" begeisterte der Chor der Humboldtschule unter Leitung von Björn Nolting die zahlreichen Anwesenden am Platz der ehemaligen Synagoge an diesem besonderen Montagmorgen.

Im weiteren Verlauf der Veranstaltung wurden auf dem Weg zu verschiedenen Orten in Bad Homburg insgesamt 14 Stolpersteine durch den Künstler Gunter Demnig verlegt, der damit nach den ersten Verlegungen in 2016 und 2017 auch dieses Jahr wieder unsere Stadt besuchte.

In den vergangenen beiden Schuljahren hatte sich unsere UNESCO-AG der Oberstufe mit der Recherche zur Familie Stein beschäftigt, für die aufgrund dieser Initiative jetzt vier Stolpersteine in der Obergasse 3 verlegt wurden. Die vierköpfige Familie lebte seit 1926 in Bad Homburg und beide Kinder wurden hier geboren. Der Vater verstarb bereits im November 1937, die Mutter Minna Stein, geborene Katz, und ihre beiden Kinder wurden im Juni 1942 im Konzentrationslager Sobibor ermordet, nachdem sie am 10.6.1942 aus Bad Homburg verschleppt wurden.

Im Verlauf ihrer Recherche zur Geschichte der Familie Minna und Moritz Stein mit ihren beiden Kindern Bertha und Julius hatte die UNESCO-AG im Oktober 2017 z.B. den ehemaligen Nachbarsjungen Wolfgang Zimmermann zu Gast an der Humboldtschule, der sich noch sehr gut an die Nachbarsfamilie erinnerte und hiervon erzählte. Eine weitere Zeitzeugin, die uns gerne berichtete und ebenso wie Herr Zimmermann auch bei der Verlegung mit inzwischen 89 Jahren begleitete, war Julius Steins ehemalige Klassenkameradin Lucie Gemmrig. Andere wichtige Schritte der Recherche der UNESCO-AG gemeinsam mit ihrem Leiter Klaus Schilling führten ins Stadtarchiv Bad Homburg und zum Hessischen Hauptstaatsarchiv nach Wiesbaden bzw. zum E-Mail-Austausch mit dem Internationalen Suchdienst in Bad Arolsen und dem Deutschen und Amerikanischen Roten Kreuz.

Zur Verlegung der Stolpersteine für die Mitglieder der Familie Stein vor ihrem ehemaligen Wohnhaus in der Obergasse 3 stellten die UNESCO-AG-Schülerinnen Katharina Rücker, Josi Roselt, Melanie Schwab und Amelie Becker die Biographien in verdichteter Weise gekonnt der Öffentlichkeit vor.

Im Anschluss beteten die zur Verlegung aus Israel und den USA angereisten Familienangehörigen Nina Naiman und Yifat Golan das Kaddisch als jüdisches Totengebet am Ort der Stolpersteine, bevor dann auch die Rosen und Blumensträuße durch Frau Gemmrig, Herr Zimmermann und die Schülerinnen und Schüler der Humboldtschule niedergelegt wurden. Wir sind sehr dankbar, dass der Besuch der beiden Großnichten der Familie Stein zu diesem besonderen Ereignis gelungen ist, nachdem die UNESCO-AG sie von den Recherchen und dem Ereignis der Stolpersteinverlegung in Bad Homburg informiert hatte.

An die Verlegung der Stolpersteine schloss sich ein Mittagessen im Golfhaus für die angereisten Nachfahren und das Team der Stolpersteininitiative auf Einladung der Stadt Bad Homburg an, bevor am Abend dann noch eine große Abendveranstaltung an der Maria-Ward-Schule den Tag abrundete. Im Rahmen der Abendveranstaltung, die durch den Oberbürgermeister der Stadt Bad Homburg Alexander Hetjes und den Vorsitzenden der Stolpersteininitiative Wolfram Juretzek eröffnet wurde, fanden Gespräche mit den angereisten Nachfahren der Familien Harth und Pflügel sowie der Familie Stein statt. Das Gespräch mit Yifat Golan, Nina Naiman und Wolfgang Zimmermann wurde durch die Humboldtschüler*innen Josi Roselt, Katharina Rücker, Emily Wiebers und Jonathan Fratz sehr interessant und anschaulich auf Deutsch und Englisch gestaltet. Wolfgang Zimmermann berichtete dabei sehr lebendig von den gemeinsamen Spielen in der Obergasse und rief so insbesondere die Kinder der Familie Stein nachdrücklich in Erinnerung. Yifat Golan verdeutlichte die Bedeutung der Auseinandersetzung mit der Geschichte, um auch für die Gegenwart und Zukunft gegen Ausgrenzung, Diskriminierung und Antisemitismus eintreten zu können und den Opfern der Vergangenheit ein Stück ihrer Würde zurückgeben zu können. Eindrücklich blieb auch das Schlusswort von Nina Naiman in Erinnerung, die das heutige Leben ihrer Familie und Großfamilie auch als einen Sieg über Hitler und den Antisemitismus der Nazis bezeichnete, bevor Emily Wiebers den Gesprächspartnern für diese besondere Möglichkeit so miteinander ins Gespräch zu kommen für das Team der Schülerinnen und Schüler dankte.

Wir danken zudem auch dem Fotografen Rafael Herlich für die Erlaubnis auf der Homepage der Humboldtschule einige seiner Fotos vom Tag der diesjährigen Verlegung der Stolpersteine nutzen zu dürfen.